(DE) Was bleibt, wenn Zeit und Raum vergehen?
Was verändert sich – und was kehrt wieder, manchmal in einer anderen Form, an einem anderen Ort, in einer anderen Zeit?
Die Ausstellung „SichtWeisen“ versammelt Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensperioden und lässt frühe und aktuelle Arbeiten miteinander in Beziehung treten. Von der frühen Serie „Berlin Kondensat“ bis hin zu den „Reflexionen“ spannt sich ein Bogen durch verschiedene Herangehensweisen des künstlerischen Arbeitens.
Arbeiten auf Papier begleiten diesen Weg – einige entstanden vor Jahren, andere sind ganz aktuell. Sie tragen Spuren von Wahrnehmung, Erinnerung und Veränderung und sind zugleich auf der Suche nach dem „Perfekten“ im Nicht-Perfekten.
Auf Leinwand und in der Fotografie begegnen uns weitere Perspektiven auf Räume, Momente und Formen – und auf das, was sich zwischen dem Sichtbaren verbirgt.
Ergänzt wird die Ausstellung durch keramische Arbeiten: kleine Arbeiten aus Ton, die wie Fundstücke erscheinen – als hätten sie eine eigene Geschichte, wären irgendwo aufgelesen und aus einer anderen Zeit, aus nicht erforschten Landschaften hierher mitgebracht worden. Ob Relikt, Fragment oder etwas nie Benanntes – ihre Funktion und Herkunft bleiben im Ungewissen. Sie erscheinen wie Fragmente eines großen Bildes, das noch im Entstehen ist.
So entsteht kein Rückblick im klassischen Sinn, sondern ein offener Dialog zwischen damals und heute, zwischen Finden und Erinnern, Sehen und Neu-Sehen. Vielleicht ist jede Arbeit auch eine Einladung, die eigene Sichtweise für einen Moment zu hinterfragen und zu erweitern.
Zur Lesung:
Um Fundstücke handelt es sich auch bei der Lesung am Samstag. Horst Eschment liest aus Hank Millers "Zeitlose Räume" -eine Sammlung von Gedichten und Kurzgeschichten.
Die Texte gleiten mühelos zwischen Lyrik und Prosa, zwischen Traum und Trauma. Die Nacht ist kein bloßer Hintergrund, sondern wird zum Akteur – flackerndes Kerzenlicht auf der Haut der Erinnerung. Miller schreibt über das Begehren wie über den Tod: ohne Scham, ohne Sentimentalität, mit einer Direktheit, die fast weh tut. Seine Figuren suchen nicht nach Erlösung – sie verhandeln sie im Moment, im Körper, im Geruch, in der Geste.
Inspiriert von der Bildkraft Dylan Thomas’, aber auch tief verankert in der Gegenwart, ist Millers Stimme ein seltenes Zeugnis gelebter Poesie. Seine Sprache ist musikalisch, körperlich, oft radikal intim – sie erzählt von Einsamkeit und Nähe, von dem, was bleibt, wenn alles andere zerfällt.
In dieser eindrucks- und nachdenklichen Sammlung offenbart Miller das Ewige, das Vergängliche und die Räume, in denen sie aufeinandertreffen.
Über Horst Eschment:
Autodidakt.
Lebt in Berlin.